BUCHVORSTELLUNGEN



SWANETIEN - Abschied von der Zeit

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Titelfoto: Trauertafel einer Beerdigung in Mestia          


"Das Land Swanetien galt als das letzte Mittelalter Europas. Aber nur wenige Menschen wissen um das Land im georgischen Kaukasus
und seine archaische Kultur, denn Swanetien war lange ein Geheimnis. Auf gefahrvollen Entdeckungsreisen gelingen Wolfgang Korall zwischen 1984-1988
im damals noch ursprünglichen Swanetien 
einmalige Fotografien über den Abschied von der Zeit." (Verlagstext)

Weltweit einziger Bildband über Swanetien im Kaukasus, Kult unter Kennern,
erschienen in limittierter Auflage im Adam-Kraft-Verlag Würzburg 1991.

Schwarzweiß-Fotos und Texte von Wolfgang Korall, Gestaltung Helmut Selle, Wolfgang Korall.
Duplexdruck, Format 28x30 cm, 108 Seiten leinengebunden, geprägt,
 vergriffen,
KAUFEN: letzte Exemplare im Neuzustand original eingeschweißt über den Autor 
unter 
fotografie@wolfgangkorall.de oder bei Booklooker.

REZENSION von E. Pawlitzky, Berlin: "Ein Kleinod. Wolfgang Korall hat mit seiner Kamera die vergehende Zeit festgehalten. Es ist ihm gelungen, eine vergessene Region im Kaukasus für uns zu entdecken, in der sich am Rande Europas archaische Traditionen und eine grandiose Landschaft treffen. Noch zwanzig Jahre nach Entstehung der in diesem atemberaubenden Band vereinten Fotografien wird dem Betrachter bewusst, dass von dem, was der Autor sah, nichts mehr ist wie es war. Wolfgang Korall fotografierte eine archaische Welt im Umbruch, die nach dem Zerfall der Sowjetunion vielleicht im Chaos versunken ist oder erneut wie in Jahrhunderten zuvor den Wirren der Zeit widerstanden hat. Jedes Bild fasziniert den Betrachter auf seine Weise. Man blättert das Buch nicht einfach durch. Die von Wolfgang Korall stammenden Texte verdichten die Eindrücke und stehen als eigenes Werk neben den Fotografien, ohne banale Erläuterung zu sein. Es wird einem bewusst, mit welcher Geduld, mit welchem Talent es dem Autor gelungen ist, das Vertrauen der Menschen in dieser abgeschlossenen Bergwelt zu erringen. Es gelangen ihm Fotografien eines Alltags, der in solch einer Dichte nicht einmal in Deutschland beschrieben ist. Nie hat man das Gefühl, dass Wolfgang Korall das Fremdartige für seine Zwecke instrumentalisiert hat. Seine fotografische Sicht vermeidet jedes Sensationelle und ist doch oder gerade deswegen spektakulär. Dem Verlag ist eine Neuauflage dringend zu raten und dem Leser ist zu wünschen, dass er ein Exemplar dieses Werkes noch vor der zu erwartenden weiteren Wertsteigerung der wenigen in Umlauf befindlichen Exemplare erwirbt." 

REZENSION von E. Neubronner, Ulm: "Am östlichen Rand Europas liegt Oberswanetien - ein Archaikum, eine ebenso herbe wie reizvolle Region. "Swaneti" zählt zum georgischen Kaukasus. Wer dort schon unterwegs war, wer die alten Wehrdörfer gesehen hat und ihren im Bergland wurzelnden Menschen begegnet ist, wird seine Tage oder Wochen diesseits und jenseits des Flusses Inguri, zwischen dem nahen Gestern und einer eher diffusen Zukunft, kaum vergessen. Wolfgang Korall hat Swanetien vor 30 Jahren erstmals bereist. Der Fotograf wiederholte die Fahrten und brachte intensive Bilder nach Deutschland zurück. Koralls kongeniale Texte zeugen von großem Verständnis für jenes Bauern- und Hirtenvolk, das sich stets vehement gegen Feinde zur Wehr gesetzt hat. Selbst sowjetische Ideologen konnten es, bis zum Kollaps ihres eigenen Systems, nicht domestizieren. Auch wenn sie moderne Schulen bauten und manch anderen Fortschritt brachten. "Swanetien - Abschied von der Zeit" heißt Wolfgang Koralls Buch, mit dessen 80 Schwarzweißfotos in exzellenter Duoton-Qualität er nachhaltig beeindruckt. Als literarischem Talent gelingen ihm höchst poetische Passagen und wechseln mit einer scheuen Lakonik, wie sie sensiblen Chronisten eigen ist. Das karge Leben, der Tod, die wilde und nicht selten bedrohliche Natur ... all das gibt Korall feinfühlig wieder und bleibt dabei immer informativ. Ein vielschichtiges, schön gestaltetes Kunstwerk (Layout: Helmut Selle) und sehr zu empfehlen.“ 

Helmut Selle, Grafiker: „Dieses Buch werden sich noch unsere Enkel ins Regal stellen.“ 

ALPINES, Literatur zu GeorgienUmwerfender Bildband über das "letzte Mittelalter Europas". Swanetien an der Südflanke des Hohen Kaukasus galt immer als nicht einnehmbar und blieb seit jeher von fremden Einflüssen verschont. Entsprechend ursprünglich war die Lebensweise der Swanen bis vor kurzer Zeit. Wolfgang Korall hat in diesem Bildband mit teils genialen Fotos und mit einfühlsamen Texten die Menschen, ihr Land und ihre Lebensweise beschrieben.mwerfender Bildband über das "letzte Mittelalter Europas". Swanetien an der deHohen Kaukasus galt immer als nicht einnehmbar und blieb seit jeher von fremden Einflüssen verschont. Entsprechend ursprünglich war LESERBRIEF: "Ihr Buch traf heute bei mir ein. Vielen Dank für die schnelle Lieferung. Ich habe eine Wertung versprochen, hier ist sie:  A priori tut es mir leid, dass ich bei der Fülle meiner Buchrezensionen seit vielen Jahren dieses Werk 1991 oder später übersehen und nicht besprochen habe. Ich kann nur hoffen, dass es damals bis in die Spalten der ZEIT gelangt ist. Das wäre mehr als verdient. Mich beeindruckt nicht »nur« die herausragende Qualität Ihrer Bilder - wobei Sie sich klug, und ganz sicher nicht zufällig, auf Schwarzweiß beschränkt haben. Als einer, dessen Weg immer deutlicher weg von der Fotografie und hin zur Literatur führt, haben mir auch die subtilen Texte sehr viel gegeben. Auf dieser Ebene bin ich selbst eher ein Minimalist, weshalb mich Ihr oft lakonischer Stil und die Fähigkeit, in wenigen dichten Sätzen alles auszusagen, rundum überzeugt. Fazit: ABSCHIED VON DER ZEIT ist ein Glücksfall…ebensweise der Swanen bis vor kurzer Zeit. Wolfgang Korall hat in diesem Bildband mit teils genialen Fotos und mit einfühlsamen Texte Menschen,ihrLandnd ihre Lebensweise beschrieben.

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Latali Mcher und Uschba Gipfel, Pose mit Flinte auf Bärenjagd


2011 bin ich nach langem Zögern für mein neues Projekt wieder in Swanetien. Ich will mir nicht die Erinnerung rauben an das archaische Volk, wie ich es noch erlebt habe. Ich verschenke den Bildband und es ist berührend zu sehen, wie die älteren Swanen sich selbst oder verstorbene Verwandte entdecken, die Fotos ihren Enkeln zeigen und sich an den „Germanelli“ erinnern, der sie vor 25 Jahren fotografiert hat. Die Berge stehen noch, die alten Wehrtürme werden restauriert, die umgebaute Ortsmitte von Mestia, das Verwaltungszentrum von Swanetien, erkenne ich nicht wieder. Swanetien ist erreichbar geworden für Trekkingtouristen und Wintersportler. Trotzdem, wer sich auf den anstrengenden Weg in den Kaukasus macht, kann in Swanetien in der mittelalterlichen Kulisse der Bergdörfer und einer grandiosen Bergwelt seine eigenen Abenteuer erleben. „SWANETIEN - Abschied von der Zeit“ ist mehr als eine Reise nach Swanetien,  es ist eine Zeitreise ins Mittelalter zum Ursprung unserer Zivilisation und überdauert die Zeit als Denkmal für die Swanen. 


Deutsch - georgische Freundschaft, oder: Wie ich nach Swanetien kam.

Text und Fotos zur Ausstellung „Freundschaft! Mythos und Realität im Alltag der DDR“ des Stadtmuseums Jena 2015

Von Wolfgang Korall                                                                                                                                                                                                                                                                                                   August  2015


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Wolfgang Korall, Chewsuretien 1979



1975 sind ausländische Studenten an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena die Ausnahme und etwas Besonderes. Die braun gebrannten Kerle und Mädchen mit den Kohlenaugen und schwarzen Lockenköpfen sind in aller Munde. Von Gaga und der schönen Matsatso höre ich lange vor unserer ersten Begegnung im Studentenclub „Rosenkeller“ in der jungen Szene von Jena. Später treffe ich sie auf den georgischen Partys mit georgischem Essen und georgischem Wein und Gaga lädt mich nach Tiflis ein. Ohne Einladung bekommt man in der DDR kein Visum für die Sowjetrepublik Georgien. Gaga muss dafür einiges auf sich nehmen: Die elterliche Wohnung wird überprüft, ob sie sauber ist, ob das Bad funktioniert, ob Wasser und Strom fließen, und - ob die Familie ein geregeltes Einkommen und eine sozialistische Gesinnung hat und würdig ist, Georgien zu vertreten und den Gast aus dem Ausland zu empfangen und für ihn zu bürgen. Wenn alles stimmt, bekommt Gaga den Stempel und ich die Einladung. So komme ich 1979 zum ersten Mal als Fotograf nach Georgien. 
Die DDR ist ein enges Land für Leute ohne Schrebergarten. Man muss sich wohl fühlen können innerhalb eines Zaunes, der einen vom Nachbarn abgrenzt. 
Ich vergesse es nie: 1969 war ich mit Freunden aus meinem Studienjahr Physik mit dem Fahrrad in Budapest auf dem Weg zum Balaton. Wir fahren in der lichtdurchfluteten Metropole nachts über die Elisabethbrücke hoch über der Donau, Menschen flanieren, Westautos rauschen vorüber, der Himmel ist warm und weit, ich trete in die Pedalen und spüre etwas, das ich noch nie so heftig in der Seele gespürt habe – die absolute Freiheit. 

In Georgien, in Tiflis, im Kaukasus ist dieses Gefühl wieder da, der Wunsch, in Georgien zu bleiben und Georgier zu werden. Das ist es, was die Systemvertreter der DDR nicht wollen: dass es einem woanders in der Welt besser gefällt als in der eingezäunten DDR. Gaga organisiert in Tiflis einen geländegängigen Militärlaster und wir fahren im Adrenalinrausch an Abgründen vorbei nach Chewsuretien, nach Schatili und Muzo zum Volk der Chewsuren. Es ist meine erste Reise in den Kaukasus, sie schweißt uns zusammen, wir werden Freunde und ich werde den Kaukasus im Kopf nicht mehr los. Ich bin mit Gaga bis 1980 in ganz Georgien unterwegs, komme aber nie nach Swanetien. Es ist mein Ziel, seitdem ich ein Buch des russischen Ethnografen Alexander Kusnezow über Swanetien gelesen habe. Seltsam ist, ich will dorthin, aber niemand aus Tiflis will mich begleiten. „Dort verschwinden Leute, die werden verschleppt und umgebracht“ berichtet Gaga. „Das will ich sehen“ sage ich. Da in Georgien jeder jeden kennt und ohne Handy und Internet sich jede Neuigkeit mit Lichtgeschwindigkeit verbreitet, organisiert Gaga 1984 endlich meine Reise nach Swanetien. Damals ein Sperrgebiet für Ausländer, weil es ein Sicherheitsrisiko für Touristen ist und die Unberührtheit und Tradition der Bergregion geschützt werden soll. Das reizt mich erst recht, es bis dorthin zu schaffen. 
Gaga ist verwandt mit Ziala, der Direktorin des Ethnografischen Museums in Mestia, dem Verwaltungsort von Swanetien. Mit ihrer Adresse auf einem Zettel soll ich mich im Museum bei ihr melden. Mehr habe ich nicht bei mir, als ich in Kutaissi in der Tiefebene der Kolchis in den Bus nach Mestia im Kaukasus steige. Ich sehe aus wie ein Georgier und spreche Russisch, aber nicht Georgisch, und muss unauffällig bleiben. „Lass dich nicht von einem Milizionär erwischen. Die Miliz setzt dich in einen Jeep und schiebt dich sofort aus Swanetien in die Tiefebene ab“, gibt mir Gaga in Tiflis mit auf den Weg. 

Bei Einbruch der Dunkelheit komme ich in Mestia an und suche nach einem Gebäude, das wie ein Museum aussieht. Ein großes Haus muss es sein, denke ich, und finde im Dunkeln ein kleines, das sich von den anderen Häusern der Bergsiedlung nicht unterscheidet. Eine verwitterte Haustür, ein dunkler Hausflur im fahlen Licht einer Glühbirne. Ich stehe noch in der Tür, als ein Mann in Uniform auf mich zukommt, der Museumspolizist. Das war es jetzt, denke ich. Wer ich bin, woher ich komme, was ich will, will er wissen. Ich komme keine drei Meter weiter, da sitze ich mit dem Polizisten und einer Flasche selbstgebranntem Raki auf dem Fußboden im Hausflur und trinke mit ihm gutgelaunt auf die deutsch-georgische Freundschaft die Flasche leer. Ziala erwartet mich, erfahre ich, musste aber mit dem Bus nach Tiflis und wir sind aneinander vorbei gefahren. Ich wache in einem Bett im Hause von Ziala auf und weiß bis heute nicht, wie ich dorthin gekommen bin. Aber ich bin trotz Filmriss endlich in Swanetien. 

Am Tag darauf sehe ich eine lange Menschenkette auf dem Kamm eines Berges, einen Trauerzug auf dem Weg zum Friedhof hoch über Mestia. Ich renne los und komme noch rechtzeitig. Der Tote ist noch nicht im Grab, die lange Reihe der Tische zur Trauerfeier ist voller Leben. Ich bitte den Ältesten um Erlaubnis zum Fotografieren und darf an der Tafel Platz nehmen. Dort hält es mich nicht lange. Als ich zurückkomme und mich setzen will, nimmt ein Swane, der einen Platz von mir entfernt sitzt, ein Messer vom Tisch und brüllt auf Russisch „Du deutsches Schwein, fotografiere unsere Berge und nicht unsere Leute!“ Ich habe das Messer am Bauch, springe zurück und schlage dem Bauern ohne Nachdenken mit aller Kraft meine Kamera auf den Kopf. Meine schöne teure Nikon FE2!
Das Gehäuse habe ich einem Rentner aus Saalfeld abgekauft. Der bringt die Kamera von einer Westreise mit ohne zu wissen, dass die Objektive der DDR-Praktika-Kameras nicht zur Nikon passen. Der Schlag ist heftig, am Gehäuse ein schwerer Motorgriff von Nikon, Blut spritzt, Männer werfen sich auf den Angreifer, halten ihn fest und meine Nikon fotografiert unversehrt weiter. Ich wohne inzwischen allein am Rande des Dorfes in der leeren Turbasa, Station für Bergsteiger und Touristen, als am Abend ein Bote auftaucht: Ich hätte seinen Freund, den Swanen Soundso, beleidigt und der fordert mich auf zum Zweikampf am nächsten Abend auf der Lichtung am Wege hinunter zum Dorf. Die Ehre ist den Swanen heilig und gegen den Bergbauern habe ich keine Chance. Abhauen geht nicht, wenn ich nach Swanetien zurückkommen will. Also gehe ich zu der Lichtung. Die Haare stehen mir zu Berge und ich suche mir einen sehr hellen Stern am Abendhimmel, den ich nicht verfehlen kann, wenn ich in der Nacht nach der Schlacht zum Himmel aufsteige. Ich warte eine Stunde, aber der Kerl kommt nicht. Die Swanen haben den Konflikt unter sich gelöst. Wenn ein Fremder in Swanetien der Freund einer Familie ist, steht er unter ihrem Schutz und wird nicht angerührt. 
Wieder in Jena, schreibe ich 1984 einen Brief an die Firma Nikon, schildere das Ereignis in aller Dramatik und lobe die Robustheit der Nikon in den höchsten Tönen mit der Bitte um eine komplette Ausrüstung zu Werbezwecken für weitere Härtetests im Kaukasus... Ich erhalte nie eine Antwort und finde meinen abgefangenen Brief an Nikon als „versuchten Westkontakt“ 1992 in der Gauck Behörde bei der Einsicht in meine Stasiakten. 


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Uschguli, Swanetien, Lenin mit Katze, 1986



Wende gut, alles gut? Bilder aus Ostdeutschland


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SW-Fotos aus der ehemaligen DDR von 1989-1995 und entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. Eine Dokumentation des Zustandes der DDR und der Befindlichkeit ihrer Bürger vor und nach dem Fall der Mauer. Das Buch erscheint zu einer Zeit vieler postumer DDR-Bücher, als die Frage des Titels in Erwartung „blühender Landschaften“ nicht opportun ist. Im Rückblick ein wichtiger, aufregender Fotoband für unsere nachgeborenen Kinder. 


Erschienen im Kindler Verlag München 1995

Format 28x30 cm, gebunden, vergriffen, nur noch antiquarisch erhältlich






Titelfoto: Alter Mann mit Hut und Geldbörse


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Dresden, Ehepaar mit Kindern beim Eisessen, DDR 1988


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Bitterfeld, Frau in Schwarz, DDR 1988


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Erfurt, Gauklerin auf dem Krämerbrückenfest, DDR 1980


Von Menschen und Mauern: | Nachrichten auf ZEIT ONLINE 05.10.08 20:22

ZEIT ONLINE

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Von Menschen und Mauern

Von Bernd Heimberger | © DIE ZEIT, 50/1995

Manchmal sieht uns ein Bild an, und wir machen uns Bilder. Manchmal sehen wir uns Bilder an und haben ein Bild. Bilder, die Bilder ermöglichen und ein Bild von den Bildern, bietet der Band "Wende gut, alles gut?". Photographiert hat Wolfgang Korall. Der Thüringer kennt Ost-Deutschland, das heißt die DDR, die er fast bis zur Neige auskostete. Korall mußte nicht "nach drüben" reisen oder "zurückgehen", als er sich entschied, nachzusehen, was den Landschaften im mitteldeutschen Osten blüht. Sprich: den Leuten und dem Leben in den Landschaften, die leichtlippig die "fünf neuen Länder" und zögerlich Deutschland genannt werden.

Photos können Lippenbekenntnisse der Linse sein. Also gefällige und gefallende Aufnahmen. Wolfgang Koralls Ost-Deutschland-Portraits, zum großen Teil aus den Jahren 1994/95, sind nicht aufs Gefallen aus. Sie sind ohne Pose. Sie bestimmen keine Deutschland-Ost-Position. Die Portraits sind die Position Ost-Deutschland. In diesen Jahren. Heute. Das Bunte im grauen, das Graue im bunten All-Tag ist in den Bildern der Mauer, der Menschen, des Umbaus, der Kultur, des Konsums, der Industrie, der Russen, des Umbruchs. Korall spekuliert nicht mit den Szenen, die er sichtete und in ihrer mahnenden Bezüglichkeit ablichtete. Als schauender Portraitist ist der Photograph keiner, der "draufhält". Viel eher ist er ein scheuer Interpret des Gesehenen und Gesichteten. Künstlerische Schönheit schafft er durch ironische Interpretation. Korall konfrontiert, indem er den Reden über die Realität seine Bilder der Realität entgegenhält. So wird vom und nicht über das Leben gesprochen.

Ob nötig oder nicht, auch in dem Photo-Buch wird fleißig geredet. Der Wort-Führer ist Lutz Rathenow. Auch aus Thüringen, Auch-Berliner und Anti-DDR-DDRler. Rathenow räuspert sich zu jeder Themen-Gruppe mit einem Text. Erinnerungen an den Hauswald/Rathenow-Band "Berlin-Ost. Die andere Seite einer Stadt" werden wach. Doch, wer hat dem Satiriker Rathenow die Zunge abgeschnitten, die der Photograph ungestraft rausstrecken kann? Erzählt der Bildermacher Geschichten der Zeiten-Wende, erklärt der Erzähler die Geschichte der wendigen Zeit und der DDR. Koralls Photos sind für die Deutschen aller vereinigten Länder da. Rathenows Texte zwingen die Kernländler in eine Klasse zum Seminar über die DDR und Nach-DDR, in dem reichlich Klischees kolportiert werden. Den Bild-Text-Band abschließend, hat Rathenow das letzte Wort: "Ein Staat ist verschwunden. Geblieben sind Momentaufnahmen von einem Stück Geschichte. Diese Bilder sind ihnen auf der Spur." Schöner noch! Momente sind die Geschichten, ohne die keine Geschichte ist. Wolfgang Koralls Bilder sind der Geschichte, den Geschichten der Zeit nicht auf der Spur. Sie sind die Spur. Die zu sehen oder nicht zu sehen, das ist hier die Frage. Wer die Spuren nicht sieht, sieht nicht, was ist und sein kann. Das ist es!


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KÜNSTLER sein   (zum Durchblättern anklicken)


Was ist Kunst? Warum wird ein Mensch zum Künstler und andere nicht? 
Nicht „ü
ber Künstler reden“ in der Art der Kunstwissenschaft, sondern „mit Künstlern reden“ 
in Augenhöhe unabhängig von Erfolg oder Berühmtheit. Porträts, Atelierfotos und Interviews 
mit 12 Künstlerfreunden:

Jürgen Böttcher Strawalde
Klaus Dennhardt
Carsten Gille
Hans-Hendrik Grimmling
Peter Herrmann
Christiane Latendorf
Helge Leiberg
Lutz Leibner
Peter Liebl
Nikolai Makarov
Hans Scheib
Inge Hildebrandt Schmidt


Katalog zum Projekt mit gemeinsamer Ausstellung in Berlin 2014 
Fotos und Texte von Wolfgang Korall, Gestaltung 
Julia Brodauf
21x30 cm, 80 Seiten.



Die Burgen des Deutschen Ritterordens  (Klick zum Buch)


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Die Marienburg (Malbork) zählt seit 1997 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

180 atmosphärische Farbfotos von Wolfgang Korall aus Polen, Russland, Lettland und Estland
über die Baukunst der Ordensritter, mit einer Karte des Ordenslandes und wissensreichen Texten von Dr. Gunnar Strunz

Erschienen im Stürtz Verlag/Verlagshaus Würzburg 2010
und Rautenberg Verlag/Verlagshaus Würzburg 2010
ISBN 978-3-8003-1963-3
ISBN 978-3-8003-3158-1


Reise durch Brandenburg  (Klick zum Buch)


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Das Land Brandenburg als Umland meiner zweiten Heimat Berlin zu fotografieren war mir eine Herzensangelegenheit,
um die Schönheit dieses Kulturlandes zu dokumentierenund seinen Bewohnern und Besuchern nahezubringen. 

200 Farbfotos Prignitz, Uckermark, Barnim, Havelland, Fläming, Spreewald, Niederlausitz, 
mit einer Karte des Landes Brandenburg und Texten von Georg Schwikart

Erschienen im Stürtz Verlag/Verlagshaus Würzburg 2012

ISBN 978-3-8003-4131-3


Reise durch den Spreewald  (Klick zum Buch) 


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Der Spreewald ist mein Lieblingsausflugsziel raus aus Berlin. Entsprechend gern und umfassend habe ich im Spreewald Land und Leute fotografiert. Meine Fleißarbeit belohnt mit schönen Bildern der einzigartigen Landschaft und Vielfalt der sorbischen Kultur seiner Bewohner. 
 

200 Farbfotos von Wolfgang Korall und Texten von Georg Schwikart. 

Erschienen im Stürtz Verlag/Verlagshaus Würzburg 2012/2014

ISBN 978-3-8003-4160-3

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Zerkwitz, Prozession der Osterreiter 2011


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Lehde, sorbische Hochzeitsgesellschaft 2010


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Lübben, Schlossmuseum mit Spreewaldkahn 2011


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Lübbenau, Umzugswagen zum Stadtfest 2011


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Lübbenau, „Kahn frei!“, Kahnanlegestelle mit Ente 2011


REZENSION von Floh: Der Bildband bietet mehr als nur erstklassige Fotografien, wir erleben nicht nur den schönen Spreewald, nein, hier erleben wir eine ganze Region, Kulturen und Bräuche, Familienleben und Tourismus… Dieser umfassende Bildband zeigt wunderbar scharfe Momentaufnahmen, sagenhafte Natur und viel Regionalcharakter. Gleich die ersten Seiten haben mich mit unbeschreiblicher Natur, sattem Grün, vielen lebendigen Flussläufe und Aktivitäten sehr begeistert. Unser nächster Kurzurlaub in den Spreewald steht bevor und dieses Buch ist die allergrößte Vorfreude auf die wunderbaren Eindrücke dieses Fleckchens Erde. Auch wenn der Spreewalt zum Touristenmagnet geworden ist, so zeigt dieser Bildband, wie schön und unberührt die Natur dort ist. Wir erleben alte Traditionen, Land und Leute, Kulinarisches und schöne Feste. Gut strukturiert gliedert sich dieser Bildband mit fundierten Texten und Fakten in mehrere interessante Bereiche. Es geht vom Oberspreewald zum Unterspreewald. Natur, Kirchen, Geschichtliches und schöne Momente. Dieser Bildband ist ein komplettes Werk mit allem was das Herz begehrt, Routen, Ausflugsziele, Wetter, Sehenswertes, Geschichten und Vergangenheit, Tradition und Kultur. Neben atemberaubenden  Fotografien gibt es kurze und geballte Texte, die den Beschauer und Leser mit Informationen und Hintergründen füttern. Bunt gestreut findet man im Buch auch ausführliche Themen zu besonderen Spezialitäten wie den Spreewaldgürkchen, Mythen und Legenden und Berühmtheiten. Im Abschluß der hochwertigen Bildbandreise rund um die Spree findet man ein wissenswertes Register, Fakten und Tipps für seine eigene Reise ins Land der Gurken. Absolut hochwertig, gut durchdacht und geplant strukturiert. Bilder, die beeindrucken.


Ostpreussen  (Klick zum Buch) 


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Titelfoto: Marienburg in Malbork, Polen

Im alten Kulturland Ostpreußen habe ich über Jahre eine ganze Anzahl von Bildbänden und Kalendern für das Verlagshaus Würzburg fotografiert und bin weiterhin dort unterwegs, um die Bücher und Kalender zu aktualisieren. Stellvertretend mein Bildband in der exklusiven Horizont Reihe des Verlages. 

240 Farbfotos: gesamtes Ostpreußen mit Ermland, Masuren, Frischer Nehrung in Polen,
der Kurischen Nehrung mit dem russischen Königsberger Gebiet und dem Memelland in Litauen,

Texte von Ernst-Otto Luthardt

Erschienen im Verlagshaus Würzburg 2006

ISBN-10: 3-8003-1700-1
ISBN-13: 978-3-8003-1700-4

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Marienburg, Ordensburg mit Angler am Nogat im Morgenlicht, Januar 1995


Reise durch Masuren  (Klick zum Buch)


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Das Umschlagfoto ist nicht von mir...

Wer einmal dort war, fährt wieder hin. Ob mit dem Boot, mit dem Wohnmobil oder Fahrrad, Masuren ist voller Entdeckungen schöner Städte, heller Seen oder stiller Wälder. Unvergeßlich bleiben die endlos weiten Himmel über dem flachen Horizont. Ich bin gelegentlich dort anzutreffen, um meine Bücher und Kalender für das Verlagshaus Würzburg zu aktualisieren. "Reise durch Masuren" ist im Innenteil einer meiner schönsten Reisebildbände. 

180 Farbfotos Ermland und Masuren in Polen, mit einer Karte und Texten von Ernst-Otto Luthardt

Erschienen im Stürtz Verlag/Verlagshaus Würzburg 2011
ISBN 978-3-8003-4072-9

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Görlitz, Gierloz, Baumallee, 2013


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Heilsberg, Lizbark Warminski, Bischofsburg 2013


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Scharnigk, Zardeniki, Luterski See 2013

© Wolfgang Korall 2015